Dienstag, 16. Dezember 2014


„Was'n das?“, frage ich, als ich den Balkon betrete.
„Das ist festliche Beleuchtung.“, antwortet Heiko.
„Ah, gut. Wollte nur sicher gehen.“, sage ich und schiebe das mit fluoreszierender Farbe gemalte Portrait von Alice Schwarzer aus dem Weg. Es zeigt Frau Schwarzer, die sich an der Mitte einer langen Tafel, umgeben von der vollständigen Emma-Redaktion über das anhaltende Lohngefälle zwischen Männern und Frauen wundert. Darunter steht: Alice im Wunderland. Ich wühle eine Zigarette aus der Packung und das Feuerzeug aus der Manteltasche. Bis mir auffällt, dass ich Nichtraucher bin, habe ich das benutzte Taschentuch schon bis zur Mitte weggeraucht.

Dienstag, 9. Dezember 2014

Dienstag, 2. Dezember 2014

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Über Deutsche Comedy


Es gibt der Dinge reichlich, die da nicht lustig sind. Krebsgeschwüre an Augenbrauen, Augenbrauen, wo vorher keine waren und deutsche Comedy. Kennste? Kennste? Kennste den Typen, der da, Oberkörper gebeugt, gehetzten Schrittes, starren Blickes, auf die Bühne walzt?
Dich mit Wortkaskaden überschüttet und alle Worte handeln davon, wie unterschiedlich Männer und Frauen doch einkaufen? Davon, wie er sich beim Warten auf die Holde vor der Umkleide langweilte, neben Heerscharen anderer Männer, die sich auch alle langweilten und ja, auch Du musstest schon der einen Bluse oder der anderen Jacke harren und so fühlt Ihr euch kurz verbunden, doch im Stillen fragst du dich: Wenn es doch schon langweilig war, als es dir passiert ist, warum sollte es dann jetzt auf einmal komisch sein? Kennste? Kennste?

Dienstag, 11. November 2014

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Über Buzzfeed


  1. Zehn Katzenbabys, die nur einen Job hatten.
  2. Zwanzig Sachen aus den 90ern, die beweisen, dass Du damals schon geatmet hast.
  3. Die elf passiv-aggressivsten Post-it's in WG-Küchen.
  4. Neun Geschmäcker, die Du wiedererkennst, wenn Du eine Zunge hast.
  5. Siebenundzwanzig Bieber. Weil wir es können.
  6. Ein Artikel über ISIS, denn wir sind voll der Journalismus, ey!
  7. Vierzehn alltägliche Objekte, die wie Kevin Bacon aussehen, wenn man ein Bild von Kevin Bacon draufklebt.
  8. One article, for which none of our german interns was available.
  9. Teste dich! Welcher Kreuzlippenblütler ist dein Seelenverwandter?
  10. Die neun besten Listen im Web und was Du in dieser Zeit alles mit deinem Leben hättest anfangen können.

Dienstag, 4. November 2014


Es gleiten die Blätter ganz sanft da im Winde
Es goldet Kastanien, Teetassendüfte
So bunt wie der Schal, gewickelt um's Kinde
bedeckt's rundherum von Schopf bis zur Hüfte

Es häuft sich das Laub zum springen einladend
Ein Frösteln an der Haltestelle
Im Morgen wie aus Nebelschwaden
Das Schweigen einer Maulschelle

Erblick ich das, erklingt ein Lied
ganz tief da unter meinem Magen
Bahnt sich den Weg, von Glied zu Glied
bis hoch ganz zum Mund, lass mich dir sagen,
kann's länger nicht mehr in mir halten
Herbst! Du Loser aller Jahreszeiten!

Dienstag, 14. Oktober 2014

Mittwoch, 8. Oktober 2014


Uffta! Uffta! Uffta-täterääää!
„Uff.“, denke ich, nunmehr seit 2 Stunden in der Toilettenschlange am Münchner Hauptbahnhof ausharrend. Eigentlich hatte ich ja nach Innsbruck fahren wollen, aus Gründen, die ich hier nicht ohne die Worte „nationale Sicherheit“, „nuklear“ und „Fischstäbchen“zu gebrauchen, erklären darf.
Aber wie es sich nun einmal so ergab, habe ich Freunde in München und es war Oktober und die Bretzn damit schon geschlungen, wie es der Bayer so treffend formuliert. 
Ich war mit dem Liegewagen von Berlin Ostbahnhof nach München gefahren und schon als ich um kurz nach sechs schlaftrunken aus meiner Koje gewankt kam, überkamen mich erste Beklemmungen. Ich wandte den Kopf nach rechts und erblickte eine lange Reihe fescher Buam in Lederhosen und frisch gebügelten, rot karierten Hemden. Ich sah in die entgegengesetzte Richtung, wo mein Blick auf eine ebenso lange Reihe Dirndl-Damen traf, deren Gesamtmenge an aufwärts gepressten Brüsten den Schwerpunkt unseres Zuges in den Kurven gefährlich weit nach oben verlagerte. War ich aus Versehen in eine mobile Aufführung von Edelweiss geraten? War ich auf dem Weg zur Zauberkugel falsch abgebogen? Ich war noch nie ein Mensch, der viel auf Mode, die Angeberschwester der Kostümierung, gegeben hat. In meinen besseren Momenten attestiere ich mir selbst eine gewisse Nonchalance, ein lässiges Selbstbewusstsein im Umgang mit meiner Kleidung. Doch dann kommt wieder jemand und fragt, ob das da Senf auf meinem T-Shirt sei, worauf hin ich antworte: „Ja.“ Jedenfalls kam ich mir noch nie in meinem Leben derart underdressed vor, bis jetzt, hier in dieser Toilettenschlange.

Dienstag, 9. September 2014


Wenn jemand auf mich zu kommt und mich fragt, wie es so läuft. Dann blicke ich nach unten und sage: „Ich stehe.“
Wenn jemand wissen will, auf welche Musik ich so stehe, dann blicke ich nach unten und sage: „Ich sitze.“
Und wenn dann jemand meint, dass er das nicht so gemeint habe, sondern nur wissen wollte, welche Musik ich so höre, dann sage ich: „Fahrstuhlmusik. Denn wir fahren gerade mit demTreppenlift, was du zum Anlass genommen hast, mich blödes Zeug zu fragen, Arschloch.“, worauf hin jemand mich dann erst mal nichts mehr fragt, mich jedoch der Unhöflichkeit bezichtigt. „Wie, unhöflich? Du bist doch derjenige, der nicht mal 60 Sekunden Stille ertragen kann, aber ich bin unhöflich?“
„Ja.“, sagt dann jemand und hat recht aus irgendeinem Grund, der sich mir zu erschließen schon mein ganzes Leben lang erfolgreich verweigert.

Sonntag, 24. August 2014

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Über meinen 30. Geburtstag


Prolog
Nächsten Monat werde ich 30. Ich will hier nicht so tun, als wäre dies schlimm oder in irgendeiner Form und Art etwas besonderes. Jeden Tag schaffen es abertausende Menschen erfolgreich, 30 zu werden. Es ist also zumindest schon mal keine besondere Schwierigkeit damit verbunden und wenn man es bei Tageslicht betrachtet, sind diejenigen unter uns, die 30 werden doch besser dran, als jene, denen dies nicht gelingt. Nichtsdestotrotz muss ich gestehen, dass der Anblick dieser zwei Ziffern etwas mit mir macht. Eine 3 und eine 0. Eine 3 und eine 0, wie ein für jeden sichtbares Ortsausgangsschild am Straßenrand meiner Jugend.

Mittwoch, 20. August 2014

Über Ultraschall

Jan und ich mögen Dinge, in denen das Wörtchen Ultra vorkommt. Und Ihr?


Mittwoch, 30. Juli 2014


„Bitte die PIN eingeben und dann mit grün bestätigen.“, sagt die Kassiererin, eine wohlgeformte Mittzwanzigerin mit bunten Bildern auf allem, was unter dem Kittel noch von ihrer Haut zu sehen ist und vermutlich auch auf allem, was derzeit der Phantasie vorbehalten bleibt.
„Bitte die PIN eingeben und dann mit grün bestätigen. Bitte die PIN eingeben und dann mit grün bestätigen.“ 
Ich kaufe nunmehr seit über 10 Jahren erfolgreich selbst für mich ein. Ich will nicht behaupten, dass es nicht hie und da mal zu Missverständnissen gekommen wäre, dass es bei der mündigen Selbstversorgung für mich nicht auch Hürden zu überwinden gegeben hätte. Zum Beispiel gibt es bessere Arten, mit Wasabi Bekanntschaft zu schließen, als die grüne Paste irrtümlich für einen exotischen Brotaufstrich zu halten.

Montag, 14. Juli 2014

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Über Glauben


„Warum sind wir noch mal hier?“, frage ich.
„Pssst!“, macht Heiko.
„Pssst!“, macht der Pastor.
„Pssst!“, macht die dicke Frau eine Holzbank vor uns, hält dabei ihren ausgestreckten Zeigefinger vor ihre breiten, roten Lippen und verursacht so ein abgefahrenes, beatboxmäßiges Plattennadelscratchgeräusch.
„Psss-wikidiwiki-ssst!“, macht die dicke Frau.
„Wow! Los, machen sie das noch mal!“, sage ich.
„Pssst!“, machen Heiko, der Pastor und die dicke Frau.

Montag, 2. Juni 2014

Montag, 26. Mai 2014

Freitag, 23. Mai 2014

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Über McFit


„Hallo Karsten. Schön dich bei uns zu haben!“, sagt das große Lächeln.
„Karsten findet's auch schön.“, antwortet Heiko für mich.
Wir haben den McFit betreten, erfüllt von dem Ansinnen unseren computerbildschirmlichtgebleichten, wabbeligen, amorphen Körpern ein Mindestmaß an Konturen angedeihen zu lassen. Schließlich steht der Sommer in den Startlöchern und wenn man der Damenhygieneartikelwerbung Glauben schenken darf, kann es sich nur noch um Tage handeln, bis ein Beamter des Bundessommerministeriums an meine Tür klopft, all meine Kleidung beschlagnahmt und mir zum Ausgleich etwas dalässt, das, wenn es mal groß wird, eine Badehose sein möchte.

Sonntag, 11. Mai 2014

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Über Schnupfen


Läuft. Meine Nase läuft. Damit hat Sie mir einiges voraus, denn ich laufe nicht, sondern liege. Hier in meinem Bett, in dem ich heut Nacht keinen Schlaf zu finden vermag, denn meine Nase läuft. Manchmal scheint sie auch ein Paar Schritte zu rennen oder fröhlich zu hüpfen und für einige besonders eklige Momente tanzt sie sogar den Moonwalk. Meine Nase hat den Spaß ihres Lebens. Ich atme durch den offenen Mund. Immer wieder mal verfängt sich mein Blick auf dem Straßenlaternenlicht, dass sich auf den sanft wogenden Vorhängen niedergelassen hat, driftet mein müder Verstand beinahe weit genug weg, bevor ich dann doch wieder aufschrecke, weil mein eigenes Geschnarche mich erschrickt.

Dienstag, 29. April 2014

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Über die AFD



Sehr geehrte Damen und Herren. Dies sind Zeiten der Not und der Herausforderungen, in denen ich mich hier und heute an Sie wende. Dies sind die Tage, da Familien nicht mehr Familien sein und Männer nicht mehr Männer und Frauen nicht mehr Haushälterinnen sein dürfen! Dies sind die Tage, da boshafte Belgier uns von Brüssel aus den korrekten Neigungswinkel guter, Deutscher Bananen diktieren wollen! Dies sind die Tage, in denen Regierung UND Opposition Ihnen ein Theaterstück namens „Demokratie“ aufführen. Dies sind die Tage, an denen ich Ihnen zurufe, wenn Sie sich schon für dumm verkaufen lassen, bestehen Sie auf eine Auszahlung in D-Mark!

Freitag, 25. April 2014

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Über das Glück


Du fragst mich, was das Glück sei.
Du fragst mich, was das Glück sei und benutzt dabei einen Tonfall, so als würdest du mich bitten, dir mal das Salz zu reichen.
Du fragst mich, was das Glück sei und stützt dabei dein Kinn mit deinem rechten Ellenbogen und in deinen Mundwinkeln blitzt er, der Stolz auf deine ach so gewiefte, ach so weltklug gewandte Frage.
Du fragst mich, was das Glück sei.

Donnerstag, 17. April 2014

Montag, 14. April 2014


Das Weser-Eck ist ein magischer Ort, an dem die Zeit fünf Minuten bevor man aber wirklich gehen muss, einfach zu vergehen aufgehört zu haben scheint. Es ist ein Ort der Offenheit, an dem alles gesagt und alles gefragt werden darf, ansatzlos, ohne Rechtfertigung oder irgendeine Argumentationskette. Das Weser-Eck ist ein Ort, an dem gefühlte Wahrheit nicht abwertend gemeint ist.
„Welche Musik sollte auf deiner Beerdigung gespielt werden?“, frage ich.

Montag, 7. April 2014

Über die Liebe in Zeiten der großen Koalition


Ein Sonnentag
ein Standesamt
welch Griesgram mag
sich's Wonnen da samt
Hochgefühl verkneifen?


Rundum rauscht Freude
im Blätterwald der Republik
Verkneift man sich heute
Nur heute! Mal jede Kritik
Denn so oder so geht’s stets nur um die Wahl
Und darum, mit wem man so endet
Und um der Partnerschaft heiligen Gral
Wer wem wann wie viel spendet.

Mittwoch, 2. April 2014

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Über Relativität


„Der Werterelativismus frisst uns alle auf.“, sagt Heiko. Ich bin widerwillig beeindruckt. Ich hätte Geld darauf verwettet, das Fremdwörterbuch, das wir ihm aus Spaß zum Tauftag geschenkt haben, unter der wackelnden Ecke seines hässlichen Wohnzimmertischchens wiederzufinden. Aber der Tisch wackelt weiterhin und Heiko spricht plötzlich über den Werterelativismus.
Denken und Sprache bedingen sich gegenseitig. Hunger, Müde, Geil, sowas kann man fühlen. Über den Werterelativismus hingegen kann man ohne das Wort „Werterelativismus“ so rein gar nichts denken, weswegen sich ein Wörterbuch zu Heiko ähnlich verhält, wie lebenslange Gratismunition zu einem blinden Sportschützen. Nett gemeint, aber wenn der Sani dann schließlich um die Kurve biegt, denken wieder mal alle, dass man das auch hätte kommen sehen können. Bis auf den blinden Sportschützen natürlich. Der nicht.

Mittwoch, 26. März 2014

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Über die Krim


„Schlimm. Schlimm, schlimm.“, sagt meine Oma.
„Was denn nun schon wieder?“, fragt Opa.
„In der Nacht zum Montag wurde nun auch die letzte ukrainische Kaserne von russischen Einsatzkräften besetzt.“, sagt Peter Klöppel.
„Schlimm. Schlimm, schlimm.“, sagt Auslandskorrespondentin Antonia Rados, die sich für ihren Kommentar dekorativ vor einem angemessen militärisch wirkenden Panzerdenkmal aufgebaut hat.
„Der Putin, der schützt doch auch nur die Sicherheitsinteressen seines Landes.“, sagt Gysi.
„So wie Deutschland in Jugoslawien.“, sagt Gysi.
„Und in Afghanistan.“, sagt Gysi.
„Und im Libanon.“, sagt Gysi.
„Und auf Mallorca.“, sagt Jürgen Drews.

Montag, 24. März 2014


Ding-Dong! … Ding-Dong!

Jaja, komme ja schon. Sie wünschen?

Ich wünsche, sie zu hypnotisieren!

Wie meinen?

Verzeihen Sie meinen Ungestüm! Ich bin Reisehypnotiseur. Ich wandere von Tür zu Tür und biete den Menschen hübsche Wahnvorstellungen an. Ich könnte Ihnen beispielsweise hier und jetzt eingeben, sie seien ein zufriedener Buntspecht, ganz hoch oben da auf dem höchsten Aste des Waldes. Wär' das nicht was für sie?

Mittwoch, 19. März 2014

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Über Wolfsburg


Ich sitze im Zug. Super. Da merkt man schon nach drei Worten, dass das hier wohl keine bachmann-preisverdächtige Literaturleistung werden wird. Tolle Geschichten erkennt man daran, dass sie schon im allerersten Absatz zu verwirren, begeistern und bestürzen vermögen.

„Helga trieb Jonny die Nadel in den vernarbten Unterarm, während Jonny den Elch rasierte, während der Elch im Namen einer radikalen politischen Gruppierung netzwerkte. Im Internet weiß niemand, dass du ein Elch bist!

Freitag, 14. März 2014


1. 
Stinken. Endlich kann ich ein mal wieder so richtig stinken. Vom Joch der tagtäglichen Vorzeigbarkeit entbunden, finde ich wieder zu mir selbst und habe die Suche von der der Nase her begonnen. Die Blumen auf dem Balkon wenden sich nicht mehr der Sonne zu, sondern von mir ab. Was mich aufrecht hält ist nicht etwa der letzte Rest meiner Würde, sondern der von Tag zu Tag steifer werdende Reifegrad meiner Schlafanzughose und Hunde fühlen sich von meiner bloßen Gegenwart beleidigt.

Mittwoch, 5. März 2014



Ich habe mich im Internet gestritten. Sich im Internet zu streiten liegt auf der Liste vollkommen fruchtloser Beschäftigungen irgendwo zwischen Kakteen-streicheln und an-alten-Batterien-lutschen, also auf jeden Fall ziemlich weit vorn. Dabei ist nicht der Streit an sich das Problem, denn der ist letztlich auch nur ein Meinungsaustausch und ausgetauschte Meinungen sind die Maßeinheit, in der man die Entfernung bis zu unserem Erfahrungshorizont misst.

Montag, 3. März 2014

Über Egomarketing


















„Ich komme da nicht mehr drauf klar. Also auf alles. Oder zumindest doch das Meiste. Und am allermeisten wenigsten auf  diese ganzen Menschen da. Die, die, die sind so … ECHT.“, sagt Heiko. Ich frage ihn, wo genau er das Problem mit der Echtheit der Menschen sehe. Sage, dass ich die Echtheit der Menschen zumeist ganz praktisch finde. Es ist doch schön, davon ausgehen zu können, nicht wie ein Gespenst durch jemanden hindurch rauschen zu müssen, wenn man ihn küssen oder kraftvoll treten möchte. Schön sei das doch.


Es war ein langer Tag und ein langer Weg hierher, auf diesen Balkon zwischen einem verkrusteten Grillrost und Setzkästen voller Petersilie. Die späte Junisonne gibt ihr Letztes und Heiko öffnet sich ein neues Bier mittels einer Tulpenzwiebel, was ich voll Bio finde. Manchmal überrascht er mich noch.  „Nein“, sagt er. Es ginge ihm natürlich nicht um die physische Echtheit, sondern um dieses seltsame gesellschaftliche Konstrukt namens Authentizität.

Dienstag, 25. Februar 2014

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Über Damenunterwäsche


„Das ist eine sehr schöne Zimmerdecke.“, denke ich, weil es sonst sehr wenig zu denken gibt, wenn man seit mehreren Minuten angestrengt eine Zimmerdecke betrachtet. Gut. „Schlechte Decke“, könnte man noch denken, aber dies hier ist eine ausnehmend schöne Zimmerdecke, soweit das für Decken eben gerade relevant ist. Diese hier ist annähernd glatt, in einem die fliederfarbenen Wände angenehm kontrastierenden Eierschalton gestrichen, frei von Rissen oder Spinnweben und bis jetzt verhindert Sie erfolgreich, dass die Muskelprotze aus dem McFit ein Stockwerk höher uns mit ihren eiweißgeblähten Riesenkörpern erschlagen.
Also ist dies eine sehr schöne Zimmerdecke, die streng nach den Bauhausprinzipien Funktionalität über Ästhetik stellt und gerade deshalb erst schön wird.

Montag, 17. Februar 2014

Über Helden


„Ich bin der mächtige Broiler-Man!“ schallt es mir aus dem Treppenhaus entgegen.
Manche Dinge sind unausweichlich. Das Verglühen der Sterne beispielsweise. Den Kühlschrank endlich mal auswischen, wobei ich noch nicht weiß, ob das vor oder nach der Sache mit den Sternen stattfinden wird, aber stattfinden wird es wohl. Und natürlich Junggesellenabschiede.
Hätte man mich letztes Jahr gefragt, wie denn mein Junggesellenabschied ausfallen soll, dann hätte ich wahrscheinlich „Ja, genau, bitte ausfallen lassen.“ geantwortet. Denn ich hatte weder vor zu heiraten, noch mich in der Öffentlichkeit demütigen zu lassen.

Donnerstag, 13. Februar 2014

Über die Hölle


Das hier, das ist die Hölle. Über die Jahre hinweg hatte ich mir viele Bilder von der Hölle gemacht. Als Kind stellte ich sie mir als unendlichen Dauerlauf um die Aschenbahn meiner Schule herum vor, wobei die Asche aber noch nicht Asche sondern glühende Kohle war und der Letzte nach jeder Runde von einem vielbeinigen Landhai mit dem Gesicht unserer Direktorin gefressen wurde. Eine Idee, die in meinen prätentiösen Jugendjahren dem berühmten Satz „Die Hölle, das sind die Anderen“ wich und die noch später von der sehr erwachsenen Angst abgelöst wurde,

Mittwoch, 5. Februar 2014


Klick. Klick, klack. Klickediklack. Knack. Sie hörten: eine akustische Zusammenfassung meines Gefühlslebens, beim Betrachten einer beliebigen Episode von Germanys Next Topmodel. 
Das Klick und auch das Klack stehen hierbei exemplarisch für das Geräusch dilettantischen Stöckelns hyperventlilierender Backfische und das Knack steht wahlweise für die vorm Pfennigabsatz kapitulierenden Knöchel eingangs erwähnter Mädchen oder aber für jeden weiteren kleinen Sprung, den meine Hirnschale mit jeder neuen Äußerung Heidi Klums zu verkraften hat. Knack. Knack.
Ich gebe gar nicht vor, hier etwas anderes als meinen Zorn und meine Verwunderung über nunmehr 9 Jahre medienwirksam inszenierter Fleischbeschau über ihnen zu entleeren, wie einst Matronen ihre Eimer voller Exkrement in den Straßen des mittelalterlichen Goslars. Allerdings macht man es mir da auch einfach. Um den folgenden Beitrag ein wenig aufzupeppen, habe ich daher beschlossen, meinen Ingrimm in alphabetischer Reihenfolge aufzubereiten.

Dienstag, 4. Februar 2014

Über Geschenke


Es gab mal eine Zeit, in der ich meine Familie mit selbsgetöpferten Aschenbechern geradezu überhäufte, was rückwirkend etwas undurchdacht erscheint, da ich in einem Nichtraucherhaushalt groß geworden bin. Immerhin aber eigneten sich meine Aschenbecher nicht nur zum festlichen hinein aschen, nein. Da jeder Aschenbecher ein absolutes Unikat darstellte und sich in Größe, Form und Beschaffenheit vollkommen von allen anderen Aschenbechern unterschied, fanden sich mit etwas Kreativität immer neue Möglichkeiten, etwas aus meinem Geschenk zu machen.

Montag, 3. Februar 2014

Über Unterschenkel












„Das Treiben und Treiben lassen meiner Mitmenschen hört nie auf mich zu verblüffen.“ lässt Heiko mich wissen. Was man halt so sagt, wenn Sommernächte einem die Denkprozesse schmelzen lassen. Es ist sehr spät oder aber sehr früh geworden, doch im Neon-Licht des 24 Stunden Supermarkts wirkt alles konserviert, wirkt alles zeitlos, alles geschmacklos.
„Ich meine,“, führt er weiter aus und fummelt dabei umständlich eine Packung Pumpernickel aus dem Regal, „zum Beispiel Luftballons, jetzt nicht so Gebrüder Montgolfier mäßige Himmels-Oschis, sondern bunte Latex-Ballons, beliebter Dekorationsartikel auf Hochzeiten und Kindergeburtstagen.
Ich meine, was soll das?
Sohn, wenn du ins Wohnzimmer gehst, wirst du feststellen, dass wir den ganzen Raum mit grellen Plastikbeuteln voller mundwarmem Kohlenmonoxid dekoriert haben. Herzlichen Glückwunsch zu deinem 8. Geburtstag!“

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